Die Hotellerie und Gastronomie zählen zu den dynamischsten Dienstleistungsbranchen Europas. Zwischen operativem Tagesgeschäft, anspruchsvollen Gästewünschen und zunehmender Digitalisierung nimmt der/die Hotel- und Gastgewerbeassistent/in eine zentrale Schnittstellenfunktion ein. Der Beruf verbindet kaufmännische Kompetenz mit Serviceorientierung und Organisationstalent – eine Kombination, die in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Qualitätsanforderungen besonders gefragt ist.
Berufsbild: Schnittstelle zwischen Administration und Service
Hotel- und Gastgewerbeassistent/innen sind Allrounder mit betriebswirtschaftlichem Fundament. Ihr Aufgabenbereich umfasst sowohl administrative als auch operative Tätigkeiten. Typische Einsatzfelder sind Rezeption, Reservierung, Veranstaltungsmanagement, Einkauf, Marketing sowie Rechnungswesen.
Im Front Office übernehmen sie Check-in und Check-out, Gästekommunikation, Beschwerdemanagement und die Koordination von Housekeeping und Technik. Im Back Office zählen Angebotslegung, Kalkulation, Warenwirtschaft, Buchhaltungsvorbereitung und Personaladministration zu den Kernaufgaben. In größeren Betrieben arbeiten sie häufig in spezialisierten Abteilungen, in kleineren Häusern hingegen sehr breit gefächert.
Die Tätigkeit erfordert ein ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis, interkulturelle Kompetenz und Fremdsprachenkenntnisse. Digitale Reservierungs- und Property-Management-Systeme gehören ebenso zum Alltag wie Revenue-Management-Grundlagen und Online-Vertriebskanäle.
Ausbildung: Dual strukturiert und praxisnah
In Österreich ist die Ausbildung als Lehrberuf konzipiert und dauert in der Regel drei Jahre. Sie erfolgt im dualen System – also im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Diese Struktur gewährleistet eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis.
Die schulische Ausbildung umfasst unter anderem:
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Betriebswirtschaft und Rechnungswesen
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Controlling und Kalkulation
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Marketing und Verkaufsmanagement
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Tourismusgeografie
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Wirtschaftsenglisch und weitere Fremdsprachen
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Arbeitsrecht und Personalmanagement
Im Betrieb lernen die Auszubildenden sämtliche Abteilungen kennen – vom Service über die Küche bis zur Verwaltung. Ziel ist es, ein ganzheitliches Verständnis für betriebliche Abläufe zu entwickeln.
In Deutschland existieren vergleichbare Ausbildungsberufe wie der/die Hotelfachmann/-frau, reformiert 2022 unter anderem durch die Neuordnung der gastgewerblichen Berufe durch die Industrie- und Handelskammer. Auch dort wird verstärkt auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und kaufmännische Steuerungskompetenz gesetzt.
Anforderungen und Kompetenzen
Neben organisatorischem Talent und Zahlenaffinität sind vor allem soziale Kompetenzen entscheidend. Gästeerwartungen verändern sich stetig, Bewertungsplattformen erhöhen den Qualitätsdruck, und internationale Zielgruppen erfordern interkulturelle Sensibilität.
Wichtige Kompetenzfelder sind:
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Kommunikationsstärke und Konfliktlösung
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Service- und Qualitätsmanagement
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Analytisches Denken (z. B. bei Auslastungs- und Umsatzanalysen)
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Stressresistenz und Flexibilität
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Team- und Führungsfähigkeit
Gerade im Bereich Revenue Management und Online-Vertrieb steigen die Anforderungen kontinuierlich. Kenntnisse in Channel-Management-Systemen und datenbasierter Preisgestaltung werden zunehmend vorausgesetzt.
Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Der Beruf bietet vielfältige Entwicklungsperspektiven. Nach der Lehre sind Positionen wie Front-Office-Manager/in, Veranstaltungsleiter/in oder Assistent/in der Geschäftsführung möglich. Mit entsprechender Berufserfahrung können leitende Funktionen bis hin zur Hoteldirektion angestrebt werden.
Weiterbildungsoptionen umfassen beispielsweise:
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Tourismus- und Hotelmanagement-Studiengänge
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Meister- oder Befähigungsprüfungen
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Spezialisierungen in Controlling, Marketing oder Human Resources
Institutionen wie das WIFI Österreich oder Fachhochschulen mit Tourismus-Schwerpunkt bieten praxisnahe Aufbauprogramme an.
Bedeutung für die Branche
Angesichts von Personalknappheit und steigendem Wettbewerbsdruck gewinnen gut ausgebildete Fachkräfte im administrativen Bereich an strategischer Bedeutung. Hotel- und Gastgewerbeassistent/innen tragen maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität eines Betriebs bei: Sie optimieren Prozesse, sichern Qualitätsstandards und unterstützen die Unternehmensleitung bei betriebswirtschaftlichen Entscheidungen.
Zudem fungieren sie als kommunikative Brücke zwischen Management, Mitarbeitenden und Gästen. Gerade in inhabergeführten Betrieben sind sie häufig Schlüsselpersonen für reibungslose Abläufe.
Der Beruf des/der Hotel- und Gastgewerbeassistent/in ist weit mehr als eine klassische Servicefunktion. Er verbindet operative Praxis mit kaufmännischem Know-how und strategischem Denken. Die duale Ausbildung schafft eine solide Grundlage für vielfältige Karrierewege innerhalb der Tourismus- und Hospitality-Branche. Wer Organisationstalent, wirtschaftliches Interesse und Freude am Umgang mit Menschen mitbringt, findet hier ein zukunftsorientiertes und abwechslungsreiches Berufsfeld.


















